Hut ab in Lech!

Mediengipfel am Arlberg 2012: Europa neu denken – wo bleibt der Wille zum Wandel?

Der Mediengipfel in Lech hat sich wohl zu einem der wichtigsten europapolitischen Foren der Republik gemausert. Interessante Themen, interessante Teilnehmer, großartige Atmosphäre, aber leider auch immer wieder dem Forum nicht adäquate Vortragende.

Klamauk und Krisen

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pro.media kommunikations gmbh / Florian Lechner

Martin Pollack hat den Eröffnungsabend interessant eingeleitet und gefiel dem Publikum mit einem hervorragenden Vortrag und anschließendem Gespräch auf Augenhöhe. Beim nachfolgenden Bernd Kolb war die Situation etwas anders gelagert: er gehört offenbar zu den glücklichen Performern, die gewohnt sind, für mehrere tausend Euro Management Consultants ein Weilchen zu unterhalten. Das würde die etwas eigenwillige Mischung aus Küchenphilosophie, Esoterik und Urlaubsfotos erklären, die Kern seiner Darbietung waren.

Das Podium, das auf Einladung des Presseclub Concordia zusammengetreten war, glückte die sowohl höchst anspruchsvolle als auch sehr verdienstvolle Aufgabe die politischen Vorgänge in Ungarn, die heraufziehenden Schatten der Faschistisierung, zu thematisierten. Jenseits des Mediengipfels werden die totalitären Tendenzen im Land Mitten in Europa, auf eine beängstigende Weise völlig ignoriert.

Das österreichische Phämonen Robert Menasse

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pro.media kommunikations gmbh / Florian Lechner

Für alle die meinen Kommentar zum Mediengipfel 2011 gelesen haben, wird meine Haltung zu Robert Menasse’s Thesen wenig überraschend sein, der wie zum Hohn, heuer wieder dabei war. Es geht mir hier weniger um Robert Menasse selbst, das wäre ein sinnloser und aussichtsloser Stellungskrieg. Vielmehr führe ich nur einen aussichtslosen Stellungskrieg gegen die Art und Weise wie man in Österreich „Intellektueller“ wird. Mir scheint, hier handeln eine Handvoll Personen, die wohlbestallt und gelangweilt in den wenigen heimischen Institutionen amtieren, wo Verstaatlichung als Geisteshaltung zu verstehen ist und die eben deswegen jeden geistlosen Schmarrn furchtbar spannend finden. Mit einer persönlichen Neigung für Blödsinn ist es nicht genug, so verfügen sie auch noch über die (strukturelle) Macht die Produzenten möglichst anspruchsloser Einfaltspinselei als Vor- und Querdenker bei möglichst jeder Gelegenheit vorzuführen.

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pro.media kommunikations gmbh / Florian Lechner

Zu Robert Menasse ist noch anzumerken, dass die lückenhaften Thesenpostulate vom letztem Jahr – damals bedurften sie noch der Formel „Grüße aus Auschwitz“ als Weckruf fürs Publikum – nun offenbar konturlos und undurchdacht genug sind, um der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden. Sein Umgang im Gespräch mit der Journalistin Margareta Kopeinig, die zurecht Antworten auf ihre Fragen wollte, gewährte tiefe charakterliche Einblicke. Menasse lieferte nicht eine sinnvolle Antwort. Brüsk wurden Fragen weggewischt, entweder mit dem überheblichen Kommentar „ich bin kein Verfassungsjurist“, obwohl nur grundlegende Ausführungen zu seinen Thesen gefordert wurden, oder er gefiel sich schlicht in der Rolle des beamtenbegeisterten Kommissionsadvokaten, der kleingeistige Einwände ignorierte und – weitsichtig wie er nun mal ist – meinte, er finde die Kritik, dass die EU-Beamten gewählt werden müssten lächerlich. Ja, das stimmt. Nur, DAS auch niemand gefordert.

Aber was soll die kleinkarierte Erbsenzählerei eigentlich, schließlich ist er kein Verfassungsjurist, der Robert. Ich darf hiermit um weitere großzügige Stipendien für ihn bitten, um ihm solche Einsichten zu gewähren, damit er uns weiterhin über die Zukunft Europas berichten kann, der Robert.

Ein Rüfi im Kopf…

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pro.media kommunikations gmbh / Florian Lechner

Argumentativ bestechend spannend war das Ökonomen-Duell Stefan Schulmeister (WIFO Wien) vs. Christian Keuschnigg (Direktor IHS, Wien). Die Kontrahenten parierten messerscharf, aber der Kampf der Argumente blieb untentschieden und das Publikum ratlos. Unvereinbare ökonomische Glaubenslehren können nicht ausgefochten werden, zwischen Wahr und Falsch entscheiden nicht immer Argumente.

Das Gespräch könnte auch als tragisch bezeichnet werden, denn entweder ist die Welt wirklich so einfach wie Schulmeister das präsentiert – von wegen man müsste doch nur…., und niemand tut es – was vorsichtig formuliert als leichtsinnig bezeichnet werden müsste, oder Christian Keuschnigg’ s These trifft den Kern besser, allerdings ist dabei für meinen Geschmack zu viel von „Opfern“ die

Rede. Bei Keuschnigg’s Thesen drängen sich natürlich Analogien zur angewandten„Schocktherapie“ in Osteuropa nach dem Fall der Mauer auf, zu der ein bekannter Ökonom anmerkte: der Schock ist gelungen, nur die Therapie blieb aus.

Stefan Schulmeister war mit seinem Berufsstand gar nicht einverstanden und „fassungslos über den Umfang an Lernverweigerung“, im Bezug auf die Finanzkrise und deren Lösung.

Abschließend muss man sagen, dass die politische Landschaft Österreichs mehr solche Foren brauchen würde, um mit so ausgezeichneten Experten über die Zukunft Europa´s zu diskutieren, und dabei sogar manchmal über den Tellerrand hinaus zu denken.

 

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